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Salome: Awakening Sexuality that Goes Beyond Corpses

Erwachende Sexualität, die über Leichen geht

Bei der Oper "Salome" kommen Gastdirigenten zum Einsatz, die sich um die Position des Generalmusikdirektors in Wuppertal bewerben. Von Stefan Schmöe
An der verteufelt schwierigen Partitur sollte sich die Qualität eines Dirigenten tatsächlich schnell zeigen. Ob das auch ein besucherfreundliches Auswahlverfahren ist? Für die Premiere jedenfalls hätte Ari Rasilainen durchaus noch ein paar zusätzliche Proben für die musikalische Feinarbeit gebrauchen können. Zwar hielt er, das ist bei dieser Oper nicht wenig, Orchester und Sänger umsichtig und in den Lautstärken sorgfältig differenziert zusammen und gestaltete ein paar knallige Steigerungen. Im Detail aber klang manches noch ziemlich unausgereift.

Die psychologisierende Inszenierung von Michiel Dijkema könnte eine noch genauere musikalische Zuspitzung vertragen. Auf der abstrakt gehaltenen Bühne, vom Regisseur selbst entworfen, zeigt ein trichterförmiges Loch nicht nur den Kerker des Propheten Jochanaan, sondern ist auch vieldeutiges Symbol für die Abgründe, die sich hier auftun. In diesem eindrucksvollen Bühnenbild zeigt Dijkema das Geschehen als Kammerspiel.

Salome ist ein heranwachsendes Mädchen, die ihre erotisierende Ausstrahlung auf Stiefvater Herodes (exzellent mit schneidendem Charaktertenor: Michael Hendrick) und den gesamten Hofstaat nicht nur im Schleiertanz gezielt einsetzt. Angesichts dieser dekadenten, von der Regie allerdings unnötig stark karikierten Gesellschaft (mit unangenehm klischeehaft streitendem Judenquintett) ist ihre Faszination für den zornigen Propheten Jochanaan verständlich, zumal er von Thomas Gazheli grandios mit jugendlicher Wucht gesungen wird. Dass ausgerechnet der sich der erwachsenden Sexualität Salomes widersetzt, führt in die Katastrophe: Eine tiefschwarze "Coming-of-Age"-Tragödie eines heranwachsenden Mädchens, das Täterin und Opfer zugleich ist. Eine zeitlose Geschichte also, und so mischen die Kostüme (Tatjana Ivschina) antike und moderne Uniform, was unfreiwillig komisch aussieht.

Die zierliche, extrem jung wirkende Christina Baggio ist eine beeindruckende Darstellerin für die Salome, auch wenn die mörderische Partie für die recht lyrische Stimme doch (noch) etwas groß ist. Die Italienerin hat ein aufregendes Timbre, die Gestaltung ist, trotz hinreißender Momente, ein wenig unausgeglichen, die Textverständlichkeit leider miserabel. Für die Regie ist sie mit ihrem engagierten Spiel ein Glücksfall.

Herodias wird von Dubravka Mušovic kraftvoll, aber eindimensional laut gesungen, der unglücklich in Salome verliebte Hauptmann Narraboth von Emilio Pons solide, aber mit arg viel tenoralen Schluchzern gestaltet. In den kleineren Partien gibt es neben ordentlichen Gesangsleistungen leider auch Totalausfälle.

Alles in allem aber gelingt den Wuppertaler Bühnen eine beachtliche "Salome".

Stefan Schmöe, Wuppertaler Rundschau
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